Geschichte
Geschichte der JU Bochum
Die Junge Union Bochum – Ein Blick in die Geschichte
Hermann-Josef Dufhues
Die Junge Union machte in der Geschichte der Vereinigungen der Partei den Anfang. Dies war die Folge des schon bald nach der CDU-Gründung erkannten Problems, daß die junge Generation in der Union fast vollständig fehlte. Die Gründer der CDU, das waren ja im wesentlichen Politiker aus den Jahren vor 1933. Die gerade aus dem Krieg oder der Kriegsgefangenschaft heimgekehrten Jungen hatten "die Schnauze voll von der Politik", wie sie es deutlich formulierten. "Schon der Begriff 'Partei' war im Bewußtsein der jungen Menschen, die eine Partei nur in der totalen Perversion der NSDAP. kennengelernt hatten, negativ besetzt", erläuterte Wolfgang Brüggemann, der damals selbst zu diesen Jungen gehörte, in seiner eindrucksvollen Rede zum 40-jährigen Bestehen der Westfälischen CDU. Er selbst habe, damals Bochumer Stadtjugendführer des BDKJ, die Bemühungen von Josef Schirpenbach und Josef Hermann-Dufhues um seine Mitarbeit mit den Worten zurückgewiesen, "er sehe keinen Grund, das 'stolze Schiff' Katholische Jugend, das Fahrt aufgenommen habe, mit dem 'wenig Vertrauen erweckenden Gefährt' einer Partei zu vertauschen."
Zu dem allgemein, besonders stark aber in der jungen Generation verbreiteten Ohnemich-Standpunkt kam ein Verbot der Britischen Militärregierung. Sie verfügte am 19. Januar 1946: "Jugendgruppen und Organisationen dürfen nicht für politische Zwecke benutzt werden, jede politische Tätigkeit ihrerseits ist zu unterbinden. Obige Richtlinien besagen, daß Anträge politischer Parteien zur Bildung von Jugendgruppen oder Organisationen nicht genehmigt werden."
Dennoch traf sich keine zwei Wochen später im Gemeinschaftsraum des Bochumer Josefshospitals eine Gruppe junger Menschen mit der Absicht, genau das zu tun, was die Besatzungsmacht untersagt hatte. Sie nannten sich "Christlich-Demokratische Jugend" und waren - wie Leo Schwering in seiner "Frühgeschichte der Christlich Demokratischen Union" schreibt - die ersten Anfänge der Jungen Union, die "in noch vorhandenen Quellen verfolgt werden können". Gemeint ist damit die erhaltengebliebene Einladung zu einer zweiten Veranstaltung dieses Kreises, in der es rückschauend heißt: "Am Montag, dem 4. 2. 1946, fand sich im Parkhaus zum ersten Male eine Anzahl Jugendlicher zusammen, die aus der Not der Zeit heraus von der tiefen Verpflichtung ergriffen ist, unserem politischen Leben in Deutschland aus christlicher Haltung und Überzeugung ein neues Gepräge zu verleihen. Unser Jugendfreund Josef Schirpenbach sprach über das Thema: "Die politische Verpflichtung der christlichen Jugend."
Josef Schirpenbach war bis 1933 im Windthorstbund aktiv und als 27-jähriger der jüngste Bochumer Stadtverordnete gewesen. Der Windthorstbund hatte sich als interkonfessionelle Vereinigung junger Männer verstanden, die ihre Mitglieder zur Teilnahme am politischen Leben im Sinne des Zentrums heranbilden wollte.
Die Gewinnung der Jugend war für Josef Schirpenbach , der wenige Wochen später zum neuen Kreisvorsitzenden der Bochumer CDU gewählt wurde, eines der wichtigsten Anliegen. Gleich in seinem ersten Rundschreiben an die Mitarbeiter der Partei, in dem er sein Arbeitsprogramm entwickelte, schreib er: "Die Erfassung der Jugend und Heimkehrergeneration ist ein besonderes Anliegen der CDU. Darum ist es notwendig, in jeder Ortspartei eine Aktionsgruppe junger Parteifreunde zu gründen. In dieser Gruppe sollen sich die jungen Parteimitglieder im Alter von 18 bis 35 Jahren regelmäßig zu Aussprachen, Diskussionen und politischen Aktionen treffen. Jede Gruppe wählt sich eine eigene Leitung." Die Mitarbeit der jungen Generation war in der CDU zwar auch schon vorher mehrfach betont worden, vor allem auch in der Entschließung ihrer Gründungsversammlung vom 2. September 1945, die Schaffung einer eigenen Organisation wird hier jedoch zum ersten Mal vorgeschlagen.
In einem Anfang September 1946 verfaßten Rundbrief erinnerte Schirpenbach erneut an die "Dringlichkeit" der "Jugendfrage". Er bittet um namentliche Nennung von interssierten Jugendlichen, "damit sie in einer besonderen Arbeitsgemeinschaft erfaßt werden" und empfiehlt, "in jeder Ortsunion eine Jugendversammlung" stattfinden zu lassen. Vor allem solle mit den konfessionellen Jugendverbänden zusammengearbeitet und versucht werden, "junge Menschen aus der konfessionellen Jugendarbeit auch für politische Fragen zu interessieren." Am 23. September 1946 finde in der Bergschule eine Jugendkundgebung statt, auf der Dr. Six, der frühere Schriftleiter der Jugendzeitschrift "Michael" sowie der rheinische Landesjugendwart Corsten sprechen würden. Die Ortsunion sollte sich "sofort mit den Jugendvereinen in Verbindung setzen und für den Besuch dieser Kundgebung eifrigst werben." Auch mit großflächigen Plakaten wurde für diese "Stunde der jungen Generation" und ihr Thema "Der politische Wege der jungen Generation in der CDU" geworben; dennoch war sie, wie Schirpenbach in einem weiteren Rundschreiben am 26. 9. 1946 mitteilt, nicht qut besucht"
In der Bergschule erfolgte dann am 3. Dezember 1946 eine Besprechung über die formale Gründung des Bochumer Kreisverbandes der Jungen Union, die bald danach vollzogen wurde. Wenige Tage später, am 14./15. Dezember 1946, konstituierte sich in Herne der Landesverband Westfalen/Lippe der Jungen Union, zu deren Sprecher sie den jungen Bochumer Rechtsanwalt Josef-Hermann Dufhues wählte.
Anfang 1947 entstanden die ersten Ortsgruppen der Bochumer JU. "In manchen Ortsunionen haben sich die jungen Parteifreunde zu Arbeitsgemeinschaften zusammengeschlossen", berichtete Schirpenbach im April 1947 an die Ortsvorsitzenden der Bochumer CDU und Mitte 1947 heißt es im Geschäftsbericht zum Kreisparteitag: "In zwölf Ortsunionen 'besfehen eigene Jugendgruppen." Auf diesem Kreisparteitag trat die JU erstmals auch auf die Bühne des offiziellen parteipolitischen Geschehens in der Bochumer CDU, indem sie sich in einer hitzigen Satzungsdebatte für eine Reihe von Änderungen - nicht zuletzt auch für die Kooptation ihres Kreissprechers in den Kreisvorstand der CDU - engagierte.
Wie schwer es noch Jahre nach dem Zusammenbruch war, junge Menschen für die Mitarbeit in einer politischen Partei zu gewinnen, erläuterte Heinz Budde, der erste Bochumer Kreisvorsitzende der Jungen Union 1948 auf dem Kreisparteitag und führte drei Gründe für die Distanz der jungen Generation an:
- „Bei einem großen Teil ist das politische Ideal zerbrochen.
- Für viele war Staat und Politik gleich Macht. Das zusammengebrochene Deutschland ist keine politische Macht mehr und hat für lange Zeit keine Gelegenheit mehr zu erstarken. Also lohnt es sich politische Arbeit nicht.
- Alle tragen gemeinsam die furchtbare materielle Not, die kaum Zeit und Kraft läßt zu umfangreicher politischer Arbeit."
Wolfgang Brüggemann, der inzwischen doch zur Jungen Union gestoßen und einige Jahre später ihr Kreisvorsitzender war, schrieb 1955 zum 10-jährigen Bestehen der CDU in einem Rückblick auf jene Zeit: "Es sei erinnert an die ersten Versammlungen in häßlichen, ungeheizten Räumen (wir kamen in gefärbten Uniformen, und der Hunger sah den meisten aus den Augen), an die Stunden der Diskussion und ernster Schulungsarbeit, an das unentwegte Bemühen, unsere Altersgenossen, die verbittert aus der Gefangenschaft zurückkehrten, aus ihrer Lethargie und Interessenlosigkeit aufzuwecken und an die politischen Aufgaben heranzuführen."
Im Laufe der Jahre stellte sich heraus, daß die der Jungen Union bei der Gründung gestellte Aufgabe, junge Menschen für die politische Arbeit, namentlich für eine Mitarbeit in der CDU zu gewinnen und zugleich die Union für die Anliegen der jungen Generation einzunehmen, auch nach den Gründungsjahren bis in die Gegenwart nicht an Aktualität verloren hat, sondern zu einem permanenten Auftrag wurde.
Es ist hier nicht der Raum, die darauf gerichteten Aktivitäten aus vier Jahrzehnten im Einzelnen nachzuvollziehen. In den Versammlungen mit Referaten, Diskussionen und Streitgesprächen informierte die JU ihre Generation über politische Sachfragen. In Podiumsgesprächen wurden die Exponenten der Parteien mit den Hoffnungen und Erwartungen der Jugend konfrontiert, am "politischen Stammtisch" kam es zum zwanglosen Gespräch mit politisch (mehr oder weniger) Gleichgesinnten. Seminarveranstaltungen griffen grundsätzliche oder aktuelle politische Fragen auf und versuchten, politische Kenntnisse zu vertiefen und zur Meinungsbildung anzuregen. Mit Exkursionen zu den Brennpunkten des politischen Geschehens wurde die Möglichkeit geboten, sich an der Quelle zu informieren und sich selbst ein Bild zu machen. Und natürlich kam bei allem auch die Geselligkeit nicht zu kurz.
Schon lange vor der Kreispartei gelang es der JU, mit eigenen Zeitungen an die Öffentlichkeit heranzutreten, mit steigenden Auflagen. Anfang der 60-er Jahre gab sie ihren "Stadtspiegel" mit einer Auflage von 1.000 Exemplaren, ab 1972 die "BO-JU 72" – in den folgenden Jahren auf die jeweils aktuelle Jahresziffer abgeändert mit einer Auflage von 5.000, schließlich sogar 10.000 Exemplaren heraus und zeitweise erschien in Harpen noch zusätzlich "JU-aktuell".
Neben solchen nach außen gerichteten Aktivitäten hat die Junge Union auch immer wieder ihrem Anspruch, "Motor der Partei" zu sein, Geltung zu verschaffen gewußt. Wohl kaum eine innerparteiliche Gruppe hat sich so engagiert und nachhaltig in die Programmdiskussion der Partei eingeschaltet, wie die Junge Union, vom Berliner Programm bis zur Verabschiedung des Grundsatzprogramms 1978 und später bei den Kommunalpolitischen Programmen der Bochumer CDU zu den Kommunalwahlen 1979 und 1984.
In programmatischen Fragen war das Verhältnis zur "Mutterpartei" nicht immer ganz spannungsfrei. Gerade auch in der Zeit des Aufbruchs der politisch engagierten Jugend im Gefolge der Studentenrevolten und der Außerparlamentarischen Opposition, in der die politischen Jugendorganisationen nicht selten die direkte Konfrontation mit der ihr nahe stehenden Partei bis hin zum Bruch mit dieser suchten, sah auch Bochums JU gelegentlich Veranlassung, wider den Stachel des parteipolitischen Establishments zu löken. Doch bei allem, was hier in Einzelfragen kontrovers war: Die Grundlagen der christlich-demokratischen Politik waren es nie.
Auch in Wattenscheid war der 1969 vollzogene Bruch eines großen Teils der Jungen Union mit der Mutterpartei, der zur Bildung der "UWG" führte, nicht die Folge von Meinungsverschiedenheiten über inhaltliche Grundpositionen der CDU-Politik, sondern über die Art und Weise, wie CDU-Politik auf der kommunalen Ebene praktiziert wurde. Ein großer Teil der Wattenscheider JU unter Führung ihres Kreisvorsitzenden Klaus-Peter Hülder war mit dem politischen Handeln von Kreisverband und Ratsfraktion nicht einverstanden, hielt ihre Politik für zu kraftlos, zu wenig exponiert, zu sehr im Gleichklang mit der Politik des politischen Gegners. Die Auseinandersetzungen darüber, die bis zur Mitte der 60er Jahre zurückreichten, überschritten dann eines Tages die innerparteilichen Grenzen, der Streit wurde öffentlich in den Tageszeitungen ausgetragen, emotional aufgeladen, geriet schließlich in die psychologisch ohnehin schwierige Phase der Kandidatenaufstellungen zur Kommunalwahl 1969 und führte dabei, als die Jungen ihre personellen Vorstellungen nicht durchsetzen konnten, zum Bruch mit der Partei, der in Teilen irreparabel war. Die bisherigen JU-Exponenten gründeten eine "Unabhängige Wähler-Gemeinschaft", die dann auch mit mehreren Vertretern in das Kommunalparlament einzog, während die CDU Ratsmandate verlor.
Doch dieser Bruch war nicht typisch für das Verhältnis der Jungen Union zur CDU in Bochum und Wattenscheid, eher ein – wenn auch folgenschwerer – "Betriebsunfall". Typisch war vielmehr, daß ihre Repräsentanten später auch in vorderster Linie oder im parlamentarischen Raum tätig waren: Von den "frühen" Bochumer JU-Kreisvorsitzenden Norbert Withoit und Wolfgang Brüggemann galt dies ebenso wie von den späteren Paul Schrader, Clemens Kreuzer, Norbert Lammert und Johannes Becker oder den Wattenscheider JU-Exponenten Christa Thoben und Jochen Borchert.
In der ersten Hälfte der 70er Jahre entstand als Reflex auf die teilweise unerträgliche Agitation linker Schülergruppen an den Gymnasien auch in Bochum eine der CDU nahe stehende "Schüler-Union". Sie entwickelte sich aus der bereits seit 1972 bestehenden "Demokratischen Schüler-Inititative", fing 1974 mit 10 Mitgliedern als "Schüler-Union Bochum" an und hatte 1979 rund 400 Mitglieder in zahlreichen Basisgruppen an sieben Bochumer Gymnasien. Dort bemühte sie sich um die Wahrnehmung von Schülermitverwaltungsrechten (SMV), ging gegen einseitige politische Tendenzen an und engagierte sich schließlich in den politischen Auseinandersetzungen um die Koop-Schule.
Im Jahre 1985 waren in der Schüler-Union noch 224 und in der Jungen Union 1.160 junge Bochumer in 13 Ortsverbänden tätig.
(Quelle: Festschrift zum 40-jährigen Bestehen der Bochumer CDU)
JU Kreisvorsitzende
Kreisvorsitzende der Jungen Union Bochum (1946 bis heute)
- Heinz Budde (1946 – 1950)
- Nikolaus Körber (1950 -1951)
- Norbert Withoit (1951 – 1953)
- Wolfgang Brüggemann (1953 – 1959)
- Hans Schrader (1959 – 1968)
- Paul Schrader (1968 – 1970)
- Clemens Kreuzer (1970 – 1972)
- Norbert Lammert (1972 – 1977)
- Dieter Roxlau (1977 – 1979)
- Martin Lüdiger (1979 – 1981)
- Johannes Becker (1981 – 1983)
- Ludger Brake (1983 – 1985)
- Rainer Kampmann (1985 – 1991)
- Jörg Häßler (1991 – 1994)
- Jörg Rogozinski (1994 – 1996)
- Dirk Schmidt (1996 – 2000)
- Oliver van der Mond (2000 – 2001)
- Tobias Schoess (2001 – 2004)
- Benedikt Gräfingholt (2004 – 2007)
- Christopher Becker (2007-2008 )
- Ann-Kathrin Henneke (2008-2010)
- Daniel Krause (seit 2010)