09. September 2014
JU-Planspiel POLIS

Lange Vorbereitungszeit zahlt sich aus: Planspiel ändert Blick auf Weltgeschehen

Am 22. August 2014 fanden sich rund 20 Mitglieder der JU Ruhrgebiet am Bundeswehrstützpunkt in Winterberg ein, um für drei Tage den Verlauf der Weltpolitik zu bestimmen. Ermöglicht wurde ihnen dies durch die Teilnahme an der interaktiven Simulation zu Politik & Internationaler Sicherheit (Polis). Betreut und begleitet wurden sie dabei von zwei Jugendoffizieren der Bundeswehr.

Die Polis-Welt ist in 13 Regionen unterteilt. Jede Region wird durch einen Regierungschef, einen Staatsminister sowie einen Umwelt- und Wirtschaftsminister abgebildet. Ihre Aufgabe ist es, ihre Region durch alle auftretenden Probleme politischer, ökonomischer und ökologischer Natur zu leiten.

Auch von den Regionen unabhängige Rollen werden verteilt, namentlich die des UN-Generalsekretärs, der Nicht-Regierungsorganisationen, der Weltpresse und der Weltbank. Sie spiegeln die überregionalen Interessen wider und versuchen kooperative Lösungen bei Konfliktsituationen voranzutreiben.

Das Konfliktpotential ist groß: angefangen von einer schlechten Ernte und mangelnder Bildung, über Korruption bis hin zu ausgewachsenen internationalen Konflikten und globalen Gefahren durch Krankheiten und den Klimawandel.

Es galt die teilweise divergierenden Interessen der verschiedenen Regionen, bei Beachtung von wirtschaftlichen Einschränkungen und bestehenden Verträgen, einer Lösung zu zuführen. Dazu wurden Verhandlungen geführt, politische Programme formuliert, Sicherheitsverträge geschlossen sowie Wirtschafts- und Sicherheitsformulare ausgefüllt.

Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung und dem Verständnis für politische Zusammenhänge wurden auch die rhetorische Fähigkeiten der Teilnehmer geschult. Im Rahmen der UN-Generalversammlung wurden die Ergebnisse der einzelnen Konferenzen zusammengefasst, die getroffenen politischen Programme dargestellt und sich den kritischen Fragen der Versammlung gestellt.

Jedes Polis-Jahr schloss mit den, durch die Jugendoffiziere gestalteten, Nachrichten. Diese zeigten die Konsequenzen der getroffenen Entscheidungen auf, indem sich eine bestimmte Situation entweder verbesserte oder verschlechterte, was wiederum Einfluss auf den Verlauf des nächsten Pol&IS-Jahres hatte. Somit stellten sie gewissermaßen eine Reflexion der Entscheidungen der Teilnehmer dar und boten ihnen ein direktes Feedback zu ihren Lösungsansätzen. Schnell wurde klar, nur nachhaltige und vielschichtige Maßnahmen zeigten Wirksamkeit.

Konnte man sich im Vorfeld noch nicht sicher sein, wie ein solches Rollenspiel aufgenommen wird, so kann man nun auch diese Bedenken zur Seite legen und ein positives Fazit ziehen:

"Es erfreut mich zu beobachten, wie die Rollen im Verlauf der Simulation mehr und mehr angenommen und gelebt wurden. Auch nach offiziellem Spielende war kaum ein anderes Thema in Gesprächen zu vernehmen. Vertragsverhandlungen wurden sogar bis in die tiefen Nachtstunden geführt.", so freudig einer der Organisatoren des Seminares, Michael Weber.

Den Applaus der Teilnehmer erntete abschließend, neben der Darstellung der Nachrichten, v.a. die Aktualität der Krisen und Konflikte, die es zu lösen versuchen galt. "Wenn man einmal ein Gefühl dafür bekommt, wie es sein muss direkt und indirekt (...) zu entscheiden, liest man Nachrichten anders. Man merkt, was und wer ausschlaggebend für die Regierungen ist und wer praktisch keine Macht hat.", so Monika Czyz, eine der Teilnehmerinnen, rückblickend.

Die Absolventen sind sich darüber einig, dass dieses Seminars kein einmaliges Ereignis gewesen sein soll. Vielmehr sehen sie sich als Teil der ersten Generation einer zukünftigen Tradition.

 Tanja Stegemann

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